SCHATTEN (Eurydike sagt) von Elfriede Jelinek

von 31.08.2017 bis 05.09.2017

Orpheus, der größte Sänger der griechischen Mythologie und Eurydike, eine thrakische Baumnymphe – Inbegriff des Liebespaares - sie - getötet von einer Schlange und im Schattenreich, er, der alle betörende Sänger - ihr folgend, um sie zurückzuholen. Als er sich nach ihr umblickt, verschwindet sie für immer ins Reich des Todes – er bleibt untröstlich zurück. Soweit der Mythos, wie wir ihm in der Oper von Monteverdi bis Offenbach, in der Literatur von Vergil, über Ovid bis Rilke immer wieder begegnen.

Was aber, wenn Eurydike gar nicht zurück will? Was, wenn sie die angebotenen weiblichen Identitätsentwürfe, die alle nur vom Begehren eines anderen abgeleitet sind, verweigert und ablegt wie die Kleider der vergangenen Saison? Die männlichen Erlösungsphantasien verlieren ihren Reiz und die Schatten des Hades den Schrecken. Es bleibt das Glück des Nicht-mehr-angeschaut-werden-Müssens.

Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, die im letzten Jahr ihren 70. Geburtstag feierte, nähert sich dem Orpheus-Mythos von der Rückseite - sie spielt in SCHATTEN (Eurydike sagt) mit der Möglichkeit einer unmöglichen Sprechposition, in der das Objekt der Begierde selbst zur Sprache gelangt.

Die zweifache Nestroy-Preisträgerin Sabine Mitterecker erkundet den Jelinek‘schen Text zusammen mit zwei Schauspielerinnen, einer Sängerin und dem Klangregisseur Wolfgang Musil für das F23, eine aufgelassene Sargfabrik im 23. Wiener Gemeindebezirk. Wie schon in der Erfolgsproduktion FROST von Thomas Bernhard (Mumok 2009 u. 2010) ist der Ort wesentlicher Mitspieler und prägt in seiner Einzigartigkeit den Abend mit.

Letztes Update am 18.07.2017

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  • Christina Scherrer

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